Viele Menschen starten Waschmaschine und Spülmaschine erst spät am Abend, weil Strom nachts angeblich billiger ist. Ob das stimmt, hängt allein von Ihrem Tarif und Ihrem Zähler ab. Hier erfahren Sie, welche Modelle es gibt und für wen sich das Verschieben lohnt.
Der Mythos vom billigen Nachtstrom
Bei einem normalen Stromtarif kostet jede Kilowattstunde rund um die Uhr gleich viel. Ihr Zähler erfasst nur, wie viel Strom Sie verbrauchen, nicht wann. Wer in einem solchen Tarif nachts wäscht, spart also nichts – und lässt Geräte unbeaufsichtigt laufen. Günstiger wird Strom zu bestimmten Zeiten nur, wenn Ihr Vertrag und Ihr Messgerät das ausdrücklich vorsehen.
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HT/NT: der klassische Zweitarif
Beim Zweitarif gibt es zwei Preise: einen Hochtarif (HT) und einen günstigeren Niedertarif (NT) für bestimmte Zeiten. Dafür ist ein Zweitarifzähler nötig, der beide Zeiträume getrennt erfasst. Früher waren solche Tarife vor allem für Nachtspeicherheizungen gedacht, heute gibt es sie auch für Wärmepumpen.
Die Niedertarif-Zeiten legt der örtliche Netzbetreiber fest. Häufig liegen sie in der Nacht, zum Beispiel von 22 bis 6 Uhr. Je nach Region können die Zeiten aber abweichen. Ob sich ein Zweitarif lohnt, hängt davon ab, wie viel Verbrauch tatsächlich in die günstigen Stunden fällt. Vergleichen Sie deshalb beide Preise mit einem normalen Tarif.
Zeitvariable und dynamische Tarife
Neuere Tarife gehen weiter: Der Preis ändert sich nach festen Zeitfenstern oder folgt beim dynamischen Tarif direkt den Preisen an der Strombörse. Dafür brauchen Sie ein intelligentes Messsystem, also einen Smart Meter, der Ihren Verbrauch in kurzen Abständen erfasst und übermittelt. Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromlieferanten Kunden mit Smart Meter einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a Energiewirtschaftsgesetz).
Börsenstrom ist häufig nachts günstig, außerdem mittags an sonnigen Tagen und bei viel Wind. Teuer wird es oft am frühen Abend, wenn viele Menschen gleichzeitig kochen, waschen und das Licht einschalten. Wie diese Tarife genau funktionieren, erklärt unser Artikel Dynamischer Stromtarif.
Wärmepumpe und Wallbox: günstigere Netzentgelte
Für steuerbare Verbrauchseinrichtungen, vor allem Wärmepumpen und Wallboxen, gibt es nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz reduzierte Netzentgelte. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Leistung dieser Geräte bei drohender Überlastung des Netzes vorübergehend begrenzen. Seit April 2025 können Sie zusätzlich zeitvariable Netzentgelte wählen (Modul 3). Dann zahlen Sie in bestimmten Zeitfenstern weniger und in anderen mehr. Welche Zeiten gelten, legt Ihr Netzbetreiber fest. Voraussetzung ist auch hier ein intelligentes Messsystem.
Für wen sich das Verschieben lohnt
Zeitabhängige Preise lohnen sich vor allem, wenn Sie große Strommengen flexibel verschieben können:
- ein Elektroauto, das in günstigen Stunden lädt
- eine Wärmepumpe, deren Betrieb sich steuern lässt
- ein Batteriespeicher, der bei niedrigen Preisen laden kann
Für einen normalen Haushalt ohne solche Geräte ist der Effekt meist klein. Waschmaschine und Spülmaschine brauchen pro Durchgang vergleichsweise wenig Strom. Ihr Verschieben bringt deshalb selbst mit einem passenden Tarif meist nur wenig. Hier helfen sparsames Verhalten und ein günstiger Tarif mehr – Tipps finden Sie unter Strom sparen im Haushalt.
So prüfen Sie Ihren Tarif
Schauen Sie auf Ihre letzte Rechnung: Steht dort nur ein Arbeitspreis, haben Sie einen Eintarif. Bei HT/NT sind zwei Zählerstände und zwei Preise aufgeführt. Vergleichen Sie anschließend Ihren Tarif mit aktuellen Angeboten im Stromvergleich. Oft ist ein günstiger Tarif mit festem Arbeitspreis die einfachere Lösung.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Energieberatung im Einzelfall. Maßgeblich sind Ihr Vertrag, die Bedingungen Ihres Versorgers und die aktuelle Rechtslage.